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    Wintersporttage an Kindergärten und Schulen
    Stephan Eder, Geschäftsführer der Skischule Tegernsee, über Finanzierbarkeit, Gemeinschaft und Chancengleichheit im Wintersport für alle Kinder

    02.03.2026

    Die Skischule Tegernsee zeigt, wie Wintersporttage an Kindergärten und Schulen erfolgreich umgesetzt werden können – organisatorisch wie finanziell. Bewegung im Schnee stärkt nicht nur Ausdauer und Koordination, sondern auch Selbstbewusstsein und Teamgeist. Kinder erleben Natur, meistern neue Herausforderungen und wachsen als Gruppe zusammen. Dass Finanzierung kein unlösbares Problem sein muss, beweist die Skischule Tegernsee selbst: Dank Sponsoren und kommunaler Unterstützung konnten die Kosten eines Kindergarten-Skikurses von rund 200 Euro auf etwa 90 Euro pro Kind gesenkt werden. Unterstützt wird dieses Engagement durch das Schulklassenprojekt „DeineWinterWoche“ der Initiative Dein Winter. Dein Sport. – getragen vom Deutschen Skiverband (DSV), Deutschen Skilehrerverband (DSLV), von Snowboard Germany und der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS). Ziel ist es, möglichst vielen Kindern den Zugang zum Wintersport zu erleichtern. Wie sich Wintersporttage im Tegernseer Tal konkret umsetzen lassen, erklärt Stephan Eder, Geschäftsführer der Skischule Tegernsee, im Interview.

    Herr Eder, warum ist es wichtig, dass Kinder an Schulen und in Kindergärten Wintersporttage angeboten bekommen?
    Stephan Eder: Wir argumentieren immer so: Wir haben das hier so nah vor der Haustür – und das ist im Prinzip genauso Grundlage für Kinder wie Radfahren oder Schwimmen lernen. Außerdem bekommen dadurch auch Kinder eine Chance, Skifahren zu lernen, denen das von den Eltern nicht ständig ermöglicht wird – weil die Eltern selbst nicht Ski fahren oder es finanziell nicht so einfach ist. Über Kindergarten- oder Grundschulkurse kann man ihnen diese Möglichkeit geben. Und später soll ein Kind nicht sagen müssen: „Ich kann gar nicht mitkommen“, wenn Freunde zum Skifahren gehen. Bei uns ist das eine Basissportart – verfügbar und nah. Und es ist eine Sportart, die man auch drei Stunden oder einen ganzen Tag machen kann.

    Stärken Wintersporttage auch das soziale Gefüge der Kinder?
    Stephan Eder: Ja, das ist ganz wichtig. Wenn ein kompletter Kindergarten oder eine Schule eine Woche draußen ist, sind die Kinder in einem anderen Umfeld als sonst. Dann zeigt sich oft: Plötzlich haben andere Kinder Stärken als die, die in der Schule stark sind. Das bringt Zusammenhalt in die Klasse oder Kindergartengruppe. Und man hat später in der Freizeit mehr Möglichkeiten, weil man gemeinsam etwas machen kann. Und gerade wegen des Medienkonsums ist Skifahren auch ein gutes Gegenmittel: Man ist draußen in der Natur und bewegt sich.

    Manche Schulen und Eltern argumentieren, Wintersport sei nicht mehr zeitgemäß in Sachen Nachhaltigkeit. Wie sehen Sie das?
    Stephan Eder:Bei uns ist das nicht das Argument, das zählt, weil wir es so nah vor der Haustür haben. Der größte CO?-Fußabdruck entsteht eher bei der An- und Abreise. Und ob ein Lift oder eine Schneemaschine Strom verbraucht, ist aus meiner Sicht vernachlässigbar – die Skigebiete bestehen ja sowieso. Es werden keine neuen Skigebiete gebaut. Man kann die vorhandene Infrastruktur nutzen. Deshalb lassen wir dieses Argument hier vor Ort so nicht gelten.

    Wie sieht es mit der Finanzierbarkeit aus und wie konnten die Kosten so stark reduziert werden?
    Stephan Eder: Das ist oft das Thema. Es gibt verschiedene Ansätze. Von der Skischule aus ist es für Kindergärten und Schulgruppen grundsätzlich günstiger als normale Skikurse. Auch die Liftbetreiber bieten günstigere Konditionen, wenn eine ganze Gruppe bucht. Dann gibt es Fördermöglichkeiten über Kommunen – vor allem beim Transport: Busfahrt und oft auch Lifttickets übernimmt im Normalfall die Gemeinde oder der Träger. Bei katholischen Kindergärten manchmal auch die Kirche. Dazu kommen Fördervereine, zum Beispiel im Tegernseer Tal, und auch private Sponsoren. Wenn man in der Gruppe fragt, findet man oft Leute, die sagen: „Wir übernehmen einen Teil.“ So bekommt man den Einzelpreis pro Kind deutlich runter. In Tegernsee haben wir es geschafft, die Kosten von etwa 200 Euro auf rund 90 Euro pro Kind zu senken – durch Gemeinde mit Bus- und Lifttickets, E-Werk-Spende, zwei private Sponsoren und weil wir als Skischule den Preis niedriger ansetzen. Und finanzschwächeren Familien stellen wir Leihmaterial kostenlos zur Verfügung.

    Ist die Organisation von Wintersporttagen für Schulen und Kindergärten ein großer Aufwand?
    Stephan Eder: Aus unserer Sicht nicht. Wir helfen mit: Wir stellen ein Buchungssystem bereit, über das sich Eltern direkt über einen Gruppencode anmelden können. Schulen und Kindergärten müssen kein Geld mehr einsammeln – es wird direkt an uns bezahlt. Damit fällt viel Organisationsaufwand weg. Für die Schule bleibt im Grunde nur: Wann passt es ins Programm, in welcher Woche? Sogar bei der Busorganisation haben wir als Skischule mitgeholfen. Der Aufwand ist daher sehr gering.

    Manche behaupten: „Den Kurs bekommt man günstig, aber danach bleibt Skifahren teuer.“ Was sagen Sie dazu?
    Stephan Eder: Auch da haben wir geschaut, was wir machen können: Wir bieten wöchentliche Trainings bei uns an den Hirschbergliften an, zum Beispiel freitags von 14 bis 16 Uhr, für einen kleinen Betrag von rund 20 Euro. So können Kinder dranbleiben.

    Was würde passieren, wenn Schulen oder Kindergärten Wintersporttage komplett streichen?
    Stephan Eder: Dann geht die Schere bei den Kindern weiter auseinander. Kinder, deren Eltern es ermöglichen, können weiter Ski fahren – die anderen nicht. Dann kann ein Kind später nicht einfach mit Freunden mitgehen, weil es nie gelernt hat, Ski zu fahren. Und dann braucht man auch nicht mehr darüber reden, dass Kinder sich mehr bewegen sollen oder dass sie einen Ausgleich zum Medienkonsum benötigen.

    Was merken Sie bei Kindern nach ein paar Tagen oder einer Woche im Schnee – körperlich und persönlich?
    Stephan Eder: Es stärkt den Gruppenzusammenhalt, die Beziehungen und Freundschaften. Und auf einmal werden Kinder „stärker“, die in der Schule nicht ganz vorne sind – weil sie beim Sport glänzen können. Außerdem: Menschen haben die größte Freude, wenn sie merken, dass sie Fortschritte machen. Das macht stolz und stärkt Selbstbewusstsein. Wenn ein Kind nach drei bis fünf Tagen vom Förderband bis zum Schlepplift kommt und runterfahren kann, ist das ein riesiger Schritt. Wir machen am Ende ein kleines Abschlussrennen mit Medaillen und Urkunden – da sind die Kinder extrem stolz. Und man erweitert den Bewegungsradius: Kinder haben danach mehr Möglichkeiten, was sie sich zutrauen und welche Freizeitaktivitäten für sie möglich sind.

    Gibt es Beispiele, die das besonders zeigen?
    Stephan Eder: Ja, viele. Zum Beispiel sieben Kinder aus sozial schwächeren Familien, die zum ersten Mal Ski gefahren sind und so begeistert waren, dass sie die nächste Woche gleich wiederkommen wollten. Oder Kinder, die schon gut Ski fahren, lernen dann Snowboard – und die Gruppe wächst noch stärker zusammen. Da gibt es viele Geschichten, weil dieses „etwas lernen“ Selbstwertgefühl schafft.

    Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
    Stephan Eder: Wir wünschen uns, dass Wintersporttage – am liebsten schon im Kindergarten und in der Grundschule – weiterhin stattfinden und eher wieder mehr werden, statt dass es einschläft. Kinder sollen raus an die frische Luft, in die Natur, in den Sport – als Gegengewicht zur zunehmenden Mediennutzung. Und ich glaube, es ist immens wichtig, in jungen Jahren möglichst viel zu lernen, damit man später überall mitmachen kann. Wenn wir das hier vor Ort haben, sollten wir es allen Kindern ermöglichen – vor allem denen, deren Eltern es nicht selbst ermöglichen können.
    (Zeichen: 7.523)

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    Skischule Tegernsee, © Manuela Herrmann | 02.03.2026 | jpg, 1200x1600px, 300dpi | 0.6MB
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    Stephan Eder, Geschäftsführer Skischule Tegernsee | 02.03.2026 | jpg, 322x526px, 300dpi | 0.1MB